Philologie des Elends I

Philologie des Elends I

Ein Linksgutachten
Teil I

«Er ist aus Hannover, wo sie das reinste Deutsch sprechen – das allerreinste.»
(Kurt Tucholsky, der Buchstabe G)

Im Dezember 2021 legte Frau Professor Dr. Ulrike Lembke ein von der Stadt Hannover bestelltes Gutachten »Geschlechtergerechte Amtsprache« vor. Die folgende Arbeit kritisiert wesentliche Punkte. Sie stützt sich auf die im Gutachten vorgegebene Struktur.
Die blauen Boxen zitieren aus dem Gutachten, grün steht für andere Quellen; Exkurse sind gelb.

I. Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse

  1. Die Rechtslage zu sprachlicher Gleichbehandlung
    Gleichstellungsgesetze des Bundes und der Länder, Verwaltungsrichtlinien, Beschlüsse und Organisationsrecht verpflichten seit 30 Jahren rechtsetzende Instanzen, Behörden, Gerichte, Hochschulen, Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts zu sprachlicher Gleichbehandlung.

Das stimmt im Prinzip, allerdings sind die rechtlichen Formulierungen sehr allgemein auf Gleichstellung bezogen, zur Sprache selbst findet sich wenig, zum Beispiel:

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Sommer|___________|pause

Sommer|___________|pause

»Als wir endlich alt genug war’n
Stopften wir sie in den Schrank
Die allzu oft geflickten Flügel
Und Gott sagte: „Gott sei Dank“
Nachts macht diese Stadt
Über uns die Luken dicht
Und wer den Kopf zu weit oben hat
Der find’t seine Ruhe nicht«

(Gerhard Gundermann, Gras)

Es wird weitergehen, irgendwie. Es geht ja immer weiter.
Irgendwie.

Autobiographie IV

Autobiographie IV

»Die Fahrer, so will es der Brauch, dürfen von ihren Gästen kein Geld fordern, die Gäste ihnen nicht mehr zustecken, als sie im VEB-Taxi zahlen müßten – in Ost-Berlin zwischen 80 Pfennig und einer Mark pro Kilometer … «
(Der Spiegel, 28.9.1986, zum Thema Schwarztaxi in der DDR)

Wir waren beim Taxi stehengeblieben (https://neuleerer.blog/2021/04/13/autobiographie-intermezzo-iiia/).

Als mein Vater 1986 starb, hinterließ er 4 Kinder, 1 Ehefrau, 1 Auto.

Dem damaligen Brauch gemäß, war die Ehefrau meines Vaters gleichzeitig meine Mutter. Das sollte sich auch nicht ändern, auch wenn die mir zukommende Bezeichnung Kind sich in der Bedeutung etwas verengte. Ich war schon ziemlich groß. Ich konnte nicht nur Auto fahren (wer Panzer fahren kann, kann alles fahren), inzwischen durfte ich es auch, denn seltsamerweise und gegen meine Hoffnung, ja Erwartung, taugte der Panzerfahrerführerschein nicht für den zivilen Verkehr. Damals gab es noch keine Mindestzahl für die Fahrstunden. Ich kam mit insgesamt fünf aus. Ich wäre trotzdem fast durchgefallen, denn ich überlegte zu lange, ob ich bei gelber Ampel anhalten sollte oder nicht. Ich hielt, aber die Vorderachse war schon hinter der Haltelinie. Auweia!

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Lesen! II

»… wir haben ein Problem. Das Problem heißt nicht Männer. Schon gar nicht Jungen. Das Problem ist eine bestimmte Art Männlichkeit …«
(Quelle: siehe unten)

Kauft man ein Buch, um seine Aversionen und Vorurteile zu bestätigen?

Nein. Man leiht es.
Inzwischen denke ich, ich hätte es auch kaufen können. Schon, um Nils Pickert zu unterstützen.

Ich wollte das Klischee umgehen, aber es ist – schon wegen des Titelbilds – nicht leicht. Auch in anderen Medien ist die Wahrnehmung:
Das ist der Mann mit dem Sohn mit dem Kleid.

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Ostern!

Ostern!

Vom Unsinn befreit sind Facebook und Twitter

Der alte Neuleerer in seiner Schwäche zieht sich etwas zurück. Die beste Gefährtin von allen braucht Zuwendung, die Kinder brauchen Erziehung, wir alle brauchen Ruhe.

Bitte alles noch mal von vorn lesen, weiterempfehlen, kommentieren!

Frohe Ostern!

Autobiographie, Teil I

Autobiographie, Teil I

»Da das modelltypische Ansauggeräusch extrem laut ist, schauten sehr viele Leute, an denen ich vorbeigefahren bin, hinterher.«
(Martin, https://www.akf-shop.de/blog)

Ich überlege immer noch, welches motorisierte Fahrzeug ich als mein erstes nennen sollte. Das erste von meinem Geld gekaufte? Das erste, das auf mich zugelassen war? Das erste, mit dem ich wenigstens einige Kilometer fahren durfte?

Wie ich den fünften Satz beginne, fällt mir ein erstes Mal ein.

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Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen. Und nun setz dich wieder, wir müssen reden.

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen. Und nun setz dich wieder, wir müssen reden.

»Odd as the comparison may sound at first, it’s the same disservice that members of the Hogwarts community do by refusing to mention Voldemort’s name. By refusing to label him, they prevent an open and honest discussion from taking place about possible solutions.«
(Maajid Usman Nawaz; https://bigthink.com/videos/maajid-nawaz-on-the-voldemort-effect)

Mein Vater traf den Nagel. Nicht auf den Kopf und nicht den aus Eisen, auf den er zielte, sondern den vom linken Daumen und er sagte laut ein Wort.
Papa, das sagt man nicht.
Doch, beim Arbeiten darf man fluchen.
Ich war ein Kind. Weiterlesen

Von Menschen und Mäusen.

Von Menschen und Mäusen.

»Wir erzählen meist eine Reise, auf der wir etwas herausfinden wollen und an deren Anfang wir auch noch nichts wissen.«
(Armin Maiwald, Interview mit dwdl, 5.3.21)

Ich frage mich, ob die Macher der Sendung mit der Maus je das Wort kindgerecht benutzt haben. Ich bin sicher, es gibt keine Bildungsstandards oder Lernziele. Es gibt vorgelebte Neugier, der man nur folgen muss. Es gibt durchaus ein gewisses Gefälle an Wissen – »macht nichts, erklär ich euch«. Und so, wie Slapstick ohne Disziplin und Präzision nicht funktioniert, verdanken sich die Erklärfilme einem Aufwand, den man den Filmen auch nur mit Aufwand ansieht. Weiterlesen

Das Wochenende, nachdem Frau Mittenzwey das Internet wahrscheinlich nicht kaputt gemacht hat.

Das Wochenende, nachdem Frau Mittenzwey das Internet wahrscheinlich nicht kaputt gemacht hat.

»Denn plötzlich haben alle Zeit. Doch dann wird es richtig gemütlich, obwohl das Internet nicht funktioniert – oder vielleicht auch gerade deshalb.«
(Waschzettel zu Marc-Uwe Kling; Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat)

Kleine Geister würden sagen: Da sieht man mal wieder, wie abhängig wir doch von dieser Technik sind!
Ich sage es auch, denke aber darüber nach. Die beste Gefährtin von allen läuft etwas somnabul zum Rechner, um inhaltsleeren Blicks in den Bildschirm zu sehen. Das geht auch ohne Internet. Die Buben dürfen sowieso nicht an den Computer, bevor sie ihn brauchen, um ihre Promotionsurkunden einzuscannen. Der Herr Neuleerer hat fünf oder sieben Gerätchen, mit denen man papierlose Bücher lesen kann, trotzdem sind es meistens bedruckte Seiten, die ihm in der Wanne ins Wasser gleiten, wenn er zu tief über den Inhalt nachdenkt. Weiterlesen