Autobiographie IV

Autobiographie IV

»Die Fahrer, so will es der Brauch, dürfen von ihren Gästen kein Geld fordern, die Gäste ihnen nicht mehr zustecken, als sie im VEB-Taxi zahlen müßten – in Ost-Berlin zwischen 80 Pfennig und einer Mark pro Kilometer … «
(Der Spiegel, 28.9.1986, zum Thema Schwarztaxi in der DDR)

Wir waren beim Taxi stehengeblieben (https://neuleerer.blog/2021/04/13/autobiographie-intermezzo-iiia/).

Als mein Vater 1986 starb, hinterließ er 4 Kinder, 1 Ehefrau, 1 Auto.

Dem damaligen Brauch gemäß, war die Ehefrau meines Vaters gleichzeitig meine Mutter. Das sollte sich auch nicht ändern, auch wenn die mir zukommende Bezeichnung Kind sich in der Bedeutung etwas verengte. Ich war schon ziemlich groß. Ich konnte nicht nur Auto fahren (wer Panzer fahren kann, kann alles fahren), inzwischen durfte ich es auch, denn seltsamerweise und gegen meine Hoffnung, ja Erwartung, taugte der Panzerfahrerführerschein nicht für den zivilen Verkehr. Damals gab es noch keine Mindestzahl für die Fahrstunden. Ich kam mit insgesamt fünf aus. Ich wäre trotzdem fast durchgefallen, denn ich überlegte zu lange, ob ich bei gelber Ampel anhalten sollte oder nicht. Ich hielt, aber die Vorderachse war schon hinter der Haltelinie. Auweia!

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Autobiographie, Intermezzo IIIa

Autobiographie, Intermezzo IIIa

»Wanderst durch das ganze Land, allen bist du gut bekannt.
Taler, Taler wünsch dir Glück, irgendwann kommst du zurück.
«
(Talerlied, Lakomy/Ehrhardt, 1984)

Gestern habe ich mir einen Taler gekauft. Eine 3-Mark-Münze aus dem Jahre 1922.

Eigentlich wollte ich mir eine Laptoptasche kaufen. Nein, das stimmt nicht, ich wollte mir einen Laptop kaufen. Stimmt auch nicht, denn ich wollte nur mal schauen, ob es denn ggf. was in der Nachbarschaft gäbe. Das kann man ja heute alles im Internet nachsehen, wenn man eins hat. Wenn man Laptop eingibt, werden auch Laptoptaschen angezeigt. Kann man auch brauchen. Ist ein Schnäppchen, versicherte mir der Verkäufer später. Nun gibt es beim selben Verkäufer auch noch andere Artikel, schaun wir mal. Und da war er, der Taler.

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Lesen! II

»… wir haben ein Problem. Das Problem heißt nicht Männer. Schon gar nicht Jungen. Das Problem ist eine bestimmte Art Männlichkeit …«
(Quelle: siehe unten)

Kauft man ein Buch, um seine Aversionen und Vorurteile zu bestätigen?

Nein. Man leiht es.
Inzwischen denke ich, ich hätte es auch kaufen können. Schon, um Nils Pickert zu unterstützen.

Ich wollte das Klischee umgehen, aber es ist – schon wegen des Titelbilds – nicht leicht. Auch in anderen Medien ist die Wahrnehmung:
Das ist der Mann mit dem Sohn mit dem Kleid.

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Autobiographie III

Autobiographie III

»Es ist möglich, den Motor bei Ausfall des Starters oder der Bordelektrik mit einer Kurbel zu starten.«
(https://de.wikipedia.org/wiki/GAZ-24_Wolga)

Gottfried Keller schrieb die Novelle: »Kleider machen Leute«. Er kannte das Auto noch nicht, denn Autos machen erst recht Leute.
Ein Wolga ist kein Auto, sondern ein Wagen. Damit fährt man nicht, sondern wird gefahren. Die meisten GAZ-24, wie vorher die meisten M21, kannte man aus dem Straßenbild als Taxis. Höhere Angestellte und Offiziere wurden mit dem Wolga gefahren. Privat war er nicht zu bekommen, jedenfalls nicht als Neuwagen.

Uns ging es freilich um einen Gebrauchten, der war schon teuer genug. Vater nutzte nun – 1981 – meines Wissens das einzige Mal seine connections. Er kannte den Generaldirektor des VEB Maschinenbauhandels, dort wurden unter anderem ausrangierte Fahrzeuge der bewaffneten Organe verkauft und so kamen wir zum Fahrzeug Nummer zwei.

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Ostern!

Ostern!

Vom Unsinn befreit sind Facebook und Twitter

Der alte Neuleerer in seiner Schwäche zieht sich etwas zurück. Die beste Gefährtin von allen braucht Zuwendung, die Kinder brauchen Erziehung, wir alle brauchen Ruhe.

Bitte alles noch mal von vorn lesen, weiterempfehlen, kommentieren!

Frohe Ostern!

Lesen!

Lesen!

Mein Name ist Lohse, ich schreibe ein Buch.

»Die Evolution hat mit der Schaffung der Leber ihr Meisterstück hingelegt – und dafür den vermutlich genialsten Bauplan der Welt geschaffen.«
(Quelle: siehe unten)

Manchmal ist es schon der Titel. Leben: Eine Biographie
Genial!
Richard Fortey schreibt nicht über ein Leben, sagen wir von Winston Churchill oder Dieter Bohlen, sondern über das Leben, von der ersten Zellteilung bis zum komplexen Wesen wie, sagen wir, Dieter Bohlen.

Auch der Titel Das Schweigen der Leber beansprucht die Aufmerksamkeit, einen Moment zu lange, um sofort übergangen zu werden, doch die Autoren, Ansgar W. Lohse und Ulf C. Goettges, kalauern nicht nur. Wir haben Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Zahnschmerzen. Es gibt viele Ursachen und dieses »viele« ist nicht mit drei zu multiplizieren; wir haben ja auch Herz und Lunge und außer den Zähnen noch die Zehen und die meisten von uns »haben Rücken«. Weiterlesen

Autobiographie, Teil II

Autobiographie, Teil II

»Wenn der Wagen mehr als 10 Tage außer Dienst ist, muß er so aufgebockt werden, daß die Reifen entlastet sind. Vorn müssen unter die Stützlaschen der Spiralfedern der Aufhängung Stützen gelegt werden, hinten unter die Gehäuse der Halbachsen der Hinterbrücke.«
Betriebsanleitung Wolga M21

Das erste Auto der Familie, an das ich auch Erinnerungen habe, kam 1977 in unseren Besitz.

Los ging es mit einer bescheidenen, sehr bescheidenen Erbschaft, die durch den Tod der Großmutter anfiel. Nun könnte man sich ja ein Auto, ein billiges Auto freilich, ein gebrauchtes und sehr billiges Auto, leisten. Nein, wir konnten es eigentlich nicht. Aber dem Vater, der ein Bein und einen beträchtlichen Teil seiner Gesundheit im Kriege verloren hatte, wurde das Laufen zunehmend beschwerlich, und er hatte viel zu laufen.
Vaters Kollege und Freund, der einige Male im Hause weilte, wurde zu Rate gezogen; er bot zweierlei Beistand an. Den ersten mit einer Wendung, die ich auch gern einmal benutzen würde. Er meinte, er sei »finanziell in eine etwas ungewohnte Situation gekommen«, könne also etwas aushelfen. Weiterlesen

Autobiographie, Teil I

Autobiographie, Teil I

»Da das modelltypische Ansauggeräusch extrem laut ist, schauten sehr viele Leute, an denen ich vorbeigefahren bin, hinterher.«
(Martin, https://www.akf-shop.de/blog)

Ich überlege immer noch, welches motorisierte Fahrzeug ich als mein erstes nennen sollte. Das erste von meinem Geld gekaufte? Das erste, das auf mich zugelassen war? Das erste, mit dem ich wenigstens einige Kilometer fahren durfte?

Wie ich den fünften Satz beginne, fällt mir ein erstes Mal ein.

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Autobiographie, Teil Null komma 5

Autobiographie, Teil Null komma 5

»Der F9 ist ein Wagen der Mittelklasse, der auf Grund seiner Konstruktionsmerkmale die Vorteile eines Kleinwagens hinsichtlich Wendigkeit und Wirtschaftlichkeit, aber auch die Fahrsicherheit und Bequemlichkeit eines Fahrzeuges von viel größerem Radstand aufweist.«
(Betriebsanleitung F9)

Was waren die Autos früher schön! Wird man das in fünfzig Jahren auch sagen, bezogen auf die Autos von heute? Wenn man die Frage nach den schönsten Autos der Welt in verschiedenen Sprachen stellt, bekommt man verschiedene Listen. Bei den britischen Antworten sieht man James-Bond-Autos, die russische Antwort erwähnt – конечно – den Tschaika (чайка – die Möwe); bei den Franzosen muss der Citroën DS dabei sein, alles andere wäre Vaterlandsverrat.

Stellt man die Frage auf italienisch …
Nein, italienische Autos sind immer dabei. Zu recht. Der Cinquecento ist aber auch ein allerliebstes Gefährt, kaum verändert über Jahrzehnte. Den Fiat 600 Multipla würde ich sofort kaufen.

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