Mein Herz soll ein Wasser sein

Da hat sich unter meinem Hemd
mit den Jahren was verklemmt,
da hat sich unter meinem Hemd
allerhand verklemmt.
(Lied auf die Vermieterinnen von möblierten Zimmern)

Denn es gibt Leute, die nicht bis sieben zählen können,
die kommen nur bis sechs,
denn es gibt Leute, die niemals liebend lieben können,
die kommen nur bis Sex.
(Verse auf sex Beinen, beide Kurt Demmler 1975)

Ich glaube, ich bin Synästhetiker. Zumindest war ich es in meiner Jugend. Ich hatte meine polnischen Kopfhörer auf, und was sich zwischen den Ohren abspielte, war ein Landschafts- und Farbenkino, das kein LSD brauchte. Essen ist die Erotik des Alters, heißt es; die Erotik meiner Jugend war die Musik. Vielleicht ist Erotik das falsche Wort; es war halt ein Überschäumen, das sich nicht teilen lässt (ich hab’s versucht, es klappt fast nie) – und vielleicht auch gar nichts Besonderes …

Wenn du 15 bist und dir das Herz fast überläuft
Aber keiner scheint das zu sehn
Bleibt dir manchmal nur das Tagebuch …

(Gerhard Schöne – à propos: https://www.youtube.com/watch?v=7WbKQqHfbQs – für heulende Nostalgiker und Neuentdecker)

… in dem Alter hat man sich ein Schild an die Stirn zu nageln: Wegen Umbaus geschlossen!

Evtl. bleibt man Künstler. Muss ja keiner merken. Hauptsache, man merkt es selber. Und dann denkt man bei dem monumentalen Werk Lieder des kleinen Prinzen, ach, das könnte ich aber besser. Und kürzer.

Ich glaube, das ist mir gelungen. Das Werk ist leider verschollen.

Was aber bleibt: Eine knöcheltiefe Verneigung vor dem Werk eines Menschen, der heute Geburtstag hätte. Allein die Liedtitel:
Mein Herz muss barfuß gehen, Jeder Mensch kann jeden lieben, Dieses Lied sing ich den Frauen, Lied aus dem fahrenden Zug zu singen.

Wikipedia schreibt: Außerdem schrieb Kurt Demmler Liedtexte für … und weitere Interpreten.
Das „ … “ steht für siebenundfünfzig (in Zahlen 57) Einzelinterpreten und Gruppen. Was für eine lyrische Produktivität! Und – weitere Interpreten!

Und doch – bei allen Liedern für den Prinzen waren es dann die Prinzessinnen, die anscheinend allen Grund hatten, ihm den Prozess zu machen. Allein, „mit dem Tod des Angeklagten ist ein Verfahrenshindernis eingetreten“.

Es gibt also kein Urteil, aber es gibt seine Texte.

Und der Vater von Maria
und der des begonnenen Kindes
wollten nichts mehr von ihr wissen
geh‘ Maria und verwind‘ es.

Und Maria schluckte heftig
und es lag ihr schwer im Magen
und ihr Kindchen lag daneben
und sie wollt’s nicht nur ertragen.

Empathie hin, Obsession her – es geht nicht gegen die Männer, obwohl zwei versagt haben. Es geht um Maria, die ihren Weg geht, und doch …

Heute Nacht sah ich Maria
eine Frau von Mitte dreißig
steh’n in einer Telefonzelle
Tränen sah ich und nun weiß ich, …

… ja, und dann kommt die letzte Strophe, die ich – aus heutiger Sicht wohlgemerkt – doch besser gemacht hätte.

… dass die verteufelt starken Frauen
manchmal schwach sind und sich sehnen
nach der Liebe beider Väter, die
stark genug sind für eigene Tränen.


Oder so. Sein Emanzenquatsch ist jedenfalls Quatsch.

Ich wollte gar keine Demmlerkritik abliefern.

Sondern: Seltsamerweise denke ich seit zwei Tagen, ich müsste mal was zu Demmler machen. Mal gucken, wann der Geburtstag hat. Und dann ist es heute, und nun, wo heute gar nicht mehr heute ist, weiß ich immer noch nicht, was ich schreiben soll.
Vielleicht fällt mir noch was ein.

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