Judith find‘ ich Gutt

Nur zu.

Oder doch von und zu? Hin und zurück, drunter und drüber?
No jokes with names, obwohl es doch immer wieder verlockend ist. Aber soviel Respekt sollte sein. Der Mann, um den es dieser Tage immer wieder geht, hat einen Namen und der sollte korrekt verwendet werden, bei ihm wie bei Jedermann. Bzw. natürlich -frau – welche Gisela mag es schon, wenn man sie mit Oh Susanna anstöhnt, aber das nur nebenbei.

Noch einmal aber: Es ist nur ein Name. Ist er nun Baron oder Freiherr? Gleichviel, es ist kein Titel, liebe Kinder, es ist nur ein Name, er ist nicht, er heißt so. Auch Jutta Gerta Armgard Freifrau von Ditfurth hat auf kein Privileg verzichtet, sondern nur auf einen Teil ihres Namens.

Soweit die Theorie. Denn in der Realität werden weiter Träume ge- und Menschen, die sich Journalisten nennen, ernährt – von der Vorstellung, dass es etwas Besonderes ist, wenn man Graf oder Baron oder sonst irgendwie von oder zu doch nicht nur heißt, sondern irgendwie auch ist. Wer weiß, wie viele schon im Gotha nachschlugen, wenn im Fernsehen Herr von der Lippe oder Frau von Sinnen auftauchten.

Franz Josef Wagner, ein Spaßvogel der ganz anderen Art, scheißt auf den Doktor [1] und wird evtl. missverstanden, weil er selbst nicht genau weiß, wie er es nun meint. [2] Sicher, wenn einer seine Arbeit gut macht, ist es nicht wichtig, ob er promoviert hat. Das war aber nicht die Frage. Und dass Guttenberg gut war als Minister, ist nirgends bewiesen.

Es sei denn, man nimmt das, was er mit Hilfe der BILD erreicht hat, als die eigentliche Aufgabe: Er hat ganz mutig gesagt, dass Krieg ist im Krieg, und nun ist es ganz normal, dass unsere Jungens töten und sterben (ja, Mädels, unsere Mädels auch). So normal, dass man seine Frau mit auf Arbeit nimmt und wieso eigentlich nicht auch die Kinder?

Die Diskussion um die Plagiate stellt die Frage, wie er denn so war als Minister, zurück, und wenn sie denn doch am Rande ventiliert wurde, dann verdeckten die Antworten, so nebulös sie auch waren, die Frage, was denn seine Aufgabe war, komplett. Das Haus der Bundeswehrreform ist gut bestellt, sagen die Einen, zumindest der Eine. Die Anderen fragen weder noch antworten sie, wenn es um die Ziele geht. Geld sparen? Ja nee, wohl eher nicht. Aber schön diskutieren kann man und einander dummes Zeug vorwerfen. Und bloß nicht darüber reden, dass es eigentlich darum geht, dass unsere Jungens ganz selbstverständlich töten und sterben (ja Mädels …).

Die Freiheit wird am Hindukusch verteidigt, und der Hindukusch ist ggf. überall.

Was hat das mit der BILD zu tun? Nun, es steht auf ihrer Agenda. [3] Es kam ihr doch gerade recht, dass vor die Scheindebatte, welche die wichtigen Fragen verdeckt, nun noch eine Diskussion gerückt wurde um Titel und Gel und schöne Stephanie, welchselbige ganz mutig die allerrisikoärmste These aufstellt, dass es nämlich voll doof ist, wenn man Kinder missbraucht. Der BILD-Leser (ich greife keine Menschen an, ich meine das virtuelle Konstrukt) findet beide „gutt“.

Und Judith Holofernes? Sie tappt (bzw. taz’t), wenn auch anders motiviert, in die selbe Falle. Natürlich nutzt BILD auch jede andere Meinung, die von spöttischer Distanz über schlichten Ekel zu messerscharfer Analyse geht, wenn sich nur ein bekannter Name möglichst nebst bekanntem Gesicht mit ihr in Verbindung bringen lässt. Scheiß doch auf die Meinung.

BILD und Judith Holofernes? Um Gottes Willen, die doch nicht! Ja nee, natürlich nicht. Und andererseits nun eben doch.

Beide, der große Name und der große Charakter, finden sich als Bauer und Bäuerin auf dem Schachbrett, bei dem der Eine sich einbildete mitzuspielen und die Andere es immerhin zu durchschauen vermag, ohne jedoch verhindern zu können, dass man mit ihr spielt.

Dienstag, den 01.03.2011

[1] „Ich habe keine Ahnung von Doktorarbeiten. Ich flog durchs Abitur und habe nie eine Universität von innen gesehen. Also, ich kann von außen sagen: Macht keinen guten Mann kaputt. Scheiß auf den Doktor.“
(Franz Josef Wagner, am 17.02.2011)

[2] „Der Doktortitel war einmal das Edelste der forschenden Studierenden.“
(Franz Josef Wagner, am 27.08.2009)

[3] „Die Bild- Zeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.“
(Judith Holofernes, am 25.02.2011)

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