Earl of Paper

Wenn jeder Berliner einen Großpack mit 18 Rollen hat, ergibt das rund 740.000 Kilometer Toilettenpapier. Damit könne man 185 Mal die Welt umrunden.
(Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, zit. nach B.Z.)

Ich habe „My name is Earl“ nicht zu Ende gesehen, und jetzt weiß ich nicht, ob ich es satt hatte oder die Serie aus irgendeinem Grunde nicht fertig gedreht wurde.

Es macht mich traurig, dass ich das nicht so stehen lassen kann. Jetzt denkt doch jeder: Hast du kein Wikipedia zu Hause, du dummer alter Mann?

Ich hatte ja tatsächlich mal Wikipedia zu Hause. Damals, als es das Internet schon gab und auch Wikipedia schon erfunden war, lag mindestens einer Computerzeitung eine CD mit verschiedenen nichtsnutzigen Programmen bei, die damals noch nicht App hießen, und eben sämtliche Artikel der Wikipedia. Sie alle herunterzuladen, hätte länger gedauert als die Reise zum Mond und wäre wohl auch so teuer, denn die Datenreise ging nicht nur über die Telefonleitung, sondern wurde auch so abgerechnet wie ein Telefonat. Ich schau mal nach.

Yes, My Name Is Earl wurde nicht zu Ende gedreht. Das war leicht. Aber manchmal sucht man sich einen Wolf.
Es gab ja mal die Geschichte, dass der Klassenfeind Kartoffelkäfer über die innerdeutsche Grenze nach Osten schickte, um die junge DDR zu sabotieren. Das stimmt natürlich nicht, und das kann man auch überall nachlesen. Ich habe aber noch eine Erinnerung: Ein Radiosender, ich meine RIAS, verbreitete das Gerücht, dass im Osten das Salz knapp würde. Nun, an Knappheit war in der DDR kein Mangel, aber Salz gab es genug. Bis die Leute die vermeintliche Nachricht hörten und Salz einkauften.
Dann wurde es knapp.

Das wäre ja eine schöne Geschichte, die gut dazu passt, dass verschiedene Qualitätsmedien dieser Tage davon berichten, dass die Leute wieder Klopapier horten.

Aber erstens: Ich habe leider keine Quelle für die RIAS-Geschichte. Und zweitens: Die Discounter versichern, dass sie diesmal vorbereitet seien, die Lager wären voll.
Wobei: Ist es vielleicht das? Die Lager sind voll (und sicher nicht nur mit Familienfilm, wie das bei uns hieß, sondern auch mit Nudeln, Trockenhefe und sicher auch Salz) und binden Kapital, was so langsam wieder liquidiert werden möchte?

Wer weiß. Hat jemand Bedarf an einer Verschwörungstheorie?

***

Jetzt ist die Kolumne zu Ende, aber ich muss noch mal von vorn anfangen. Ganz von vorn:
„Wenn jeder Berliner …“

Wenn man Hans-Joachim Wolfram heißt – dann kann es doch gut sein, dass man mit Spitznamen Wolle genannt wird, gelle? Und dann hat man plötzlich einen Kollegen, der Hans-Joachim Wolle heißt und man muss darf soll will gemeinsam eine Sendung moderieren. Die Sendung hieß Außenseiter Spitzenreiter (Kundendienst für Neugierige) und ist, dachte ich, längst sanft entschlafen. Weit gefehlt. Der mdr hat die blutjunge Madeleine Wehle (süße 52) verpflichtet und nun darf der Kundendienst, inzwischen älteste deutsche Unterhaltungssendung noch älter werden.

Das wollte ich gar nicht erzählen, aber nun steht es da. Also die beiden Wolles sind mal, erinnere ich mich, der Frage nachgegangen, wie lang eine Rolle Klopapier ist. Die Frage wurde nicht beantwortet, denn es stellte sich heraus, dass es erhebliche Schwankungen gab. Es hätten wohl 40 Meter sein sollen.

Heute haben wir auch Schwankungen, nennen wir es mal Vielfalt und Demokratie sowieso und meine Rolle ist 26 Meter lang. Nein, nicht gemessen, ausgerechnet. Doch, gemessen (ein Blatt 13 cm) und mal genommen (200 Blatt).
26 Meter mal 18 mal Anzahl der Berliner (≈ 3.700.000 Einwohner)
= 1.731.600.000 m = 1.731.600 Kilometer. Nanu?

Oder andersrum: Natz’ Rolle hat nur gut zehn Meter.
Hm.
Er könnte 185 Mal die Welt umrunden. Gemeint ist wohl ein- oder umwickeln. Aber das stimmt auch nicht. 740.000 Kilometer geteilt durch Erdumfang = 18,5.
Wieso merkt das keiner?


Und was will uns der Dichter überhaupt sagen? Wenn alle Berliner alle ihre Klorollen aneinanderkleben, dann haben sie ein ganz schön langes Stück Papier.
Je nun, das stimmt allerdings. Und wenn der rbb von der B.Z. abschreibt (oder umgekehrt), kommt auch kein Sinn in die Rolle der Bedeutung.

Mein Bruder übrigens wollte ja mal ein Klopapier erfinden, das man von beiden Seiten benutzen kann. Der Vorteil, meinte er, läge doch auf der Hand.
Guten Appetit weiterhin.

Und, Gruß an H-J.W. im Himmel – bleiben Sie schön neugierig!

 

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