Rudi kann nicht lesen

Et jibt Fraren, die jehörn vaboten. Wobei et sich inna Rejel ja nich um Fraren handelt, insofern man keene Antwort erwartet. Nehm wa ma een Beispiel: Ick hau ma nach meiner Tour een bissjen aufs Scheeselong, um zu warten, bis ick wach werde. Mittenmal hör ick aus’m Zimma von meim Sohn lauta Presslufthämma.
Nanu, denk ick, hatten wa Handwerker bestellt? Dann fährt ne Straßenbahn bei ihm durch und ick denke, ach so, er hat wieda seine Musik an. Außadem sind jetze Ferien, fällt mir noch ein, womit auch die Anwesenheit des Herrn Sohnes erklärt ist. Ick jeh also hin und frare janz freundlich: „Sach ma, hast du noch alle Latten am Zaun, du Bettnässer, ick will penn!“Sehnse, dis is sozusaren eine theoretische Frare, ick meine, ick will ja nur etwas Kritik üben und keene Antwort. Der Bengel äußert sich trotzdem: „Wat schreiste denn so, Alta?“

Beim Bäcka will ick jerade in aller Freundlichkeit dit käufliche Erwerben meiner Splittabrötchen einleiten, indem ick erst ma Juten Morjen sare, ab ick komm ja nich dazu.
„Könnse nich lesen?“, tönt dat Frollein hinta der Theke, und ick höre mehr een Ausrufe- als wie een Frajezeichen, denn kiek ick ihrm Blick hinterher, der streng aufe aufe Tür zeicht, wo mittendrin een Schild prangt. Ick hatte se extra offenjelassen, damit der nächste ooch rin kann.
Kam aba keener.
Also auffem Schild steht „Tür zu“. Na, een „Bitte“ hätte ja ooch noch Platz jehabt, denke ick und sare laut: „Im Prinzip schon, aber nich mittem Bauch.“
Und denn erzähle ick noch een bisschen von freundlichem Ton und so und frare meinerseits janz theoretisch, ob se eijentlich wüsste, dass et elf Bäcka im Kiez jibt. Und denn war der Einkauf erledicht.

Wie ick dit meim Bengel, azähle, belehrt der mich: „Dit heißt rhetorisch, Vadda. Eine rhetorische Frare is zum Beispiel, …“
„Du weeßt ooch imma allet, wa?“, untabreche ick ihn.
„Jenau“, sachta, und ick stehe een bisschen dumm da.
Schön, wenn man so schlaue Kinda hat. Wenn se nur nich son Krach machen würden.

Also untahalte ick ma später mit Boris, der belehrt ma wenigstens nich imma. Boris ist der Russe, der sone Art Spätvakauf inna Straße hat. Eijentlich issa Buljare, aber die Jelejenheitstrinker saren imma, wir treffen uns beim Russen, wenn sich ma wieder sone Jelejeheit ajibt, also imma ahms von sechse bis acht. Danach müssen nach Hause, ihre Frauen vamöbeln. Kleener Scherz, die kieken bloß fern.
„So kommische Fragen ich chabe oft“, azehlt Boris. Dit machta mit Absicht, der kann bessa Deutsch als wie wir. „Einmal pro Woche, ich chabe Kunde, der fragt: ‚Chaben Sie Zigaretten?‘
Wenn man vor der Theke steht und Boris ankiekt, denkt man, der hat nur Zijaretten. Hinta ihm ist een Rejal, drei Meta breit, eins fuffzich hoch und volla Zijaretten.
„Nu, ich wundere auch. Aber ich denke, wenn Kunde chat Frage, Kunde bekommt Antwort.“

Und denn jibt et ooch blöde Fragen. Doch, glooben Se mir! Ick kann ja die Konversation beim Einkoofen partu nich lassen. Also sarick paar Tage späta ehm andan Frollein: »Wußten Se eijentlich, dass et hier die billichsten Splittabrötchen im Kiez jibt?«
Ja, nee, wusste se nich. Aber bald wusste et ihr Chef und denn war denn Preisjefüje leider im Eima.

Noch Fraren?

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