Die Treppe hinauf, die hinabführt

Ich merke, mein Lieber, Sie sehen mich etwas sauer an wegen des bittern, spottenden Tones, womit ich zuweilen von Dingen spreche, die andern Leuten teuer sind und teuer sein sollen. Ich kann aber nicht anders. Meine Seele glüht zu sehr für die wahre Freiheit, als daß mich nicht der Unmut ergreifen sollte, wenn ich unsere winzigen, breitschwatzenden Freiheitshelden in ihrer aschgrauen Armseligkeit betrachte; in meiner Seele lebt zu sehr Liebe für Deutschland und Verehrung deutscher Herrlichkeit, als daß ich einstimmen könnte in das unsinnige Gewäsche jener Pfenningsmenschen, die mit dem Deutschtume kokettieren; und zu mancher Zeit regt sich in mir fast krampfhaft das Gelüste, mit kühner Hand der alten Lüge den Heiligenschein vom Kopfe zu reißen und den Löwen selbst an der Haut zu zerren – weil ich einen Esel darunter vermute.
Heinrich Heine

Ein Essay, eine Sammlung, ein Gedicht, titelgebend eine Phrase von – man möchte sagen biblischer Wucht, wenn es nicht so deplaziert wäre, und außerdem von Friedrich Wolf:

Kunst ist Waffe.

Außerdem Thema für vermutlich tausende Prüfungsaufsätze.

Mir kam es in den Sinn, weil mich wieder eine so wuchtig klingende Phrase anspringt, der ich gern die Luft ablassen würde:

Die Macht der Bilder.

Es gibt durchaus Bilder, von denen eine mächtige Wirkung ausgeht, Bilder von Michelangelo, Rembrandt, Picasso.
Das Foto des napalmverbrannten Mädchens Kim Phúc.
Das Foto des ertrunkenen Jungen Aylan Kurdi, entstanden übrigens vor genau fünf Jahren.
Das Foto der Rotarmisten, die auf dem Reichstag die sowjetische Flagge hissen.

Das hätten die wohl gern. Reichsdeppen kraxeln auf die Stufen des Reichstagsgebäudes, schwenken ihre Reichsflaggen und die Bilder davon gehen als Ikonen des Widerstands in die Geschichte ein. Nein, ein paar kleine Jungs schauen einer Dame unter den Rock und das ist ungehörig, aber nicht bedeutsam.

***

Warum gibt Innensenator Geisel sich so verloren? Als ob der größenwahnsinnige Wunsch, den Sturm auf Berlin zu absolvieren, tatsächlich in Erfüllung gegangen sei.

„Deppen“ ist keineswegs als Beleidigung gedacht. Es sind dumme Menschen. Politisch dumm, naturwissenschaftlich dumm und strategisch von bedrückender Dämlichkeit. Als erstes, das weiß man doch, besetzt man die Radiostationen.

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