Freiheit! Freiheit! Teil III (und Schluss)

Freiheit! Freiheit! Teil III (und Schluss)

»Aber die nicht durchgeführte Einsicht fällt in den Mißverstand, als ob die Vernunft es sei, welche in Widerspruch mit sich gerate; sie erkennt nicht, daß der Widerspruch eben das Erheben der Vernunft über die Beschränkungen des Verstandes und das Auflösen derselben ist«
(G.W.F. Hegel: Wissenschaft der Logik)

Meine Freiheit, die hat drei Haken. Zu den ersten beiden siehe die vorhergehenden Beiträge.

Vorwort
Teil I
Teil II

Kommen wir zum dritten Haken. Der hat es erst recht in sich. Wir waren bei Hegel und nun denke ich an einen ganz anderen Philosophen, nämlich Kant.
Der hat nämlich in einem Roman (ach so, nein, nicht Immanuel – Hermann heeßt er) eine Figur auftreten lassen, welche vor oder während eines wichtigen Gespräches Liegestütze machte. Stöhnend und schlechtgelaunt, aber diszipliniert. Für die Gesundheit. Das war für mich dann ein schönes Beispiel für die Phrase: Einsicht in die Notwendigkeit. Es macht keinen Spaß, aber es ist notwendig. Weiterlesen

Freiheit? Freiheit? Teil II

Freiheit? Freiheit? Teil II

»An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.«
(Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, 1848)

Vorwort
Teil I
Teil III

Wir waren kürzlich (18.12.2020) bei der Freiheit und ihren Haken. Der erste Haken besteht darin, dass wir es scheinbar mit einem monolithischen Klotz zu tun haben, mit in Stein gemeißelten Weisheiten oder vielmehr Axiomen, die sich jeder gern als Maxime unters Bett nageln möchte – nur scheinbar, denn in Wirklichkeit ist es ein freischwebendes Gefüge von Wortwolken, in die man nicht anders fassen kann als in Watte. Es ist auch ein begrenzter Personenkreis, der sich dessen bedient; man kennt sich, weiß wovon man spricht, wenn man in der modernen Gemäldegalerie steht: Ach, welche Farbgebung! – Oh, was für eine Bildkomposition! Und selber steht man davor und sieht nur bunte Kleckse: Weiterlesen

Freiheit? Freiheit! Teil I

Freiheit? Freiheit! Teil I

Freedom’s just another word for nothing left to lose …
(Kris Kristofferson: Me and Bobby McGee, besonders bekannt durch Janis Joplin)

Vorwort
Teil II
Teil III

Hegel hat das ja ganz gut erklärt. Aber erstens hat wieder mal keiner Hegel gelesen, zweitens kann man Hegel nicht lesen, drittens stapfen wir noch mindestens knöcheltief durchs Engels-Jahr und ergo soll Engels uns das verdolmetschen.

»Nicht in der geträumten Unabhängigkeit von den Naturgesetzen liegt die Freiheit, sondern in der Erkenntnis dieser Gesetze, und in der damit gegebnen Möglichkeit, sie planmäßig zu bestimmten Zwecken wirken zu lassen … Freiheit des Willens heißt daher nichts andres als die Fähigkeit, mit Sachkenntnis entscheiden zu können.«
Friedrich Engels (Herrn Eugen Dühring’s Umwälzung der Wissenschaft)

Das war es eigentlich schon. Ich frag das nachher ab. Weiterlesen

Freiheit! Freiheit?

Alle, die von Freiheit träumen
Sollen’s feiern nicht versäumen

Marius Müller-Westernhagen, Freiheit

Teil I
Teil II
Teil III

 

»Merkel rät frierenden Schülern zu Kniebeugen«,
behauptet mein verlässlicher Nachrichtendienst. Das erinnert mich an ein Lied über den Minister Severing, der sich in der Weimarer Republik bei hungernden Schulkindern beliebt gemacht hat, indem er ebenfalls Turnübungen empfahl. Aber das nur nebenbei. Weiterlesen

Die Grille

Die Grille

In Regenpausen zirpt eine Grille
im Hof, als wäre es Sommer
und doch ist es Herbst.
Die Herzen schlagen in leisem,
gleichmäßig langweiligem Takt.

Die vielen Tage, die wir uns nahmen,
uns schien, sie böten was Neues.
Und doch ist ein Tag
wie viele, die nun schon zerronnen.
Der letzte, andauernde Akt.

In Regenpausen zirpt eine Grille.
Sie weiß, sie sieht keinen Winter.
Wir hören ihr zu
und sehen dem Abschied entgegen,
beklommen, hilflos und nackt.

Earl of Paper

Wenn jeder Berliner einen Großpack mit 18 Rollen hat, ergibt das rund 740.000 Kilometer Toilettenpapier. Damit könne man 185 Mal die Welt umrunden.
(Stephan Natz, Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, zit. nach B.Z.)

Ich habe „My name is Earl“ nicht zu Ende gesehen, und jetzt weiß ich nicht, ob ich es satt hatte oder die Serie aus irgendeinem Grunde nicht fertig gedreht wurde.

Es macht mich traurig, dass ich das nicht so stehen lassen kann. Jetzt denkt doch jeder: Hast du kein Wikipedia zu Hause, du dummer alter Mann? Weiterlesen

Rudi kann nicht lesen

Et jibt Fraren, die jehörn vaboten. Wobei et sich inna Rejel ja nich um Fraren handelt, insofern man keene Antwort erwartet. Nehm wa ma een Beispiel: Ick hau ma nach meiner Tour een bissjen aufs Scheeselong, um zu warten, bis ick wach werde. Mittenmal hör ick aus’m Zimma von meim Sohn lauta Presslufthämma.
Nanu, denk ick, hatten wa Handwerker bestellt? Dann fährt ne Straßenbahn bei ihm durch und ick denke, ach so, er hat wieda seine Musik an. Außadem sind jetze Ferien, fällt mir noch ein, womit auch die Anwesenheit des Herrn Sohnes erklärt ist. Ick jeh also hin und frare janz freundlich: „Sach ma, hast du noch alle Latten am Zaun, du Bettnässer, ick will penn!“Sehnse, dis is sozusaren eine theoretische Frare, ick meine, ick will ja nur etwas Kritik üben und keene Antwort. Der Bengel äußert sich trotzdem: „Wat schreiste denn so, Alta?“

Beim Bäcka will ick jerade in aller Freundlichkeit dit käufliche Erwerben meiner Splittabrötchen einleiten, indem ick erst ma Juten Morjen sare, ab ick komm ja nich dazu.
„Könnse nich lesen?“, tönt dat Frollein hinta der Theke, und ick höre mehr een Ausrufe- als wie een Frajezeichen, denn kiek ick ihrm Blick hinterher, der streng aufe aufe Tür zeicht, wo mittendrin een Schild prangt. Ick hatte se extra offenjelassen, damit der nächste ooch rin kann.
Kam aba keener.
Also auffem Schild steht „Tür zu“. Na, een „Bitte“ hätte ja ooch noch Platz jehabt, denke ick und sare laut: „Im Prinzip schon, aber nich mittem Bauch.“
Und denn erzähle ick noch een bisschen von freundlichem Ton und so und frare meinerseits janz theoretisch, ob se eijentlich wüsste, dass et elf Bäcka im Kiez jibt. Und denn war der Einkauf erledicht.

Wie ick dit meim Bengel, azähle, belehrt der mich: „Dit heißt rhetorisch, Vadda. Eine rhetorische Frare is zum Beispiel, …“
„Du weeßt ooch imma allet, wa?“, untabreche ick ihn.
„Jenau“, sachta, und ick stehe een bisschen dumm da.
Schön, wenn man so schlaue Kinda hat. Wenn se nur nich son Krach machen würden.

Also untahalte ick ma später mit Boris, der belehrt ma wenigstens nich imma. Boris ist der Russe, der sone Art Spätvakauf inna Straße hat. Eijentlich issa Buljare, aber die Jelejenheitstrinker saren imma, wir treffen uns beim Russen, wenn sich ma wieder sone Jelejeheit ajibt, also imma ahms von sechse bis acht. Danach müssen nach Hause, ihre Frauen vamöbeln. Kleener Scherz, die kieken bloß fern.
„So kommische Fragen ich chabe oft“, azehlt Boris. Dit machta mit Absicht, der kann bessa Deutsch als wie wir. „Einmal pro Woche, ich chabe Kunde, der fragt: ‚Chaben Sie Zigaretten?‘
Wenn man vor der Theke steht und Boris ankiekt, denkt man, der hat nur Zijaretten. Hinta ihm ist een Rejal, drei Meta breit, eins fuffzich hoch und volla Zijaretten.
„Nu, ich wundere auch. Aber ich denke, wenn Kunde chat Frage, Kunde bekommt Antwort.“

Und denn jibt et ooch blöde Fragen. Doch, glooben Se mir! Ick kann ja die Konversation beim Einkoofen partu nich lassen. Also sarick paar Tage späta ehm andan Frollein: »Wußten Se eijentlich, dass et hier die billichsten Splittabrötchen im Kiez jibt?«
Ja, nee, wusste se nich. Aber bald wusste et ihr Chef und denn war denn Preisjefüje leider im Eima.

Noch Fraren?

Die Häuser denen, …

Die Häuser denen, …

Die Miete ist sehr teuer
Kost‘ siebenhundert Eier!
Wer kriegt die Miete bloß?
Der Boss!

(Dieter Süverkrüp, der Baggerführer Willibald)

„Zur Begründung hieß es vom Gericht, bei der Abwägung des Falls hätten die Interessen des Eigentümers laut Gesetz Vorrang.”
(ZEIT.de, 8.10.20)

Dann wollen wir sehen, wie das Gesetz wirkt.
Und nun singe ich mal ein Lied für Maria. Weiterlesen